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23.10.2012, David Coulin, Fotos Thomas Baumann

Muff geht seine Wege

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Vor einigen Jahren erfand Bruno Muff die Kartografie neu und lancierte Geomarketing als lukrative Geschäftsidee. Google kaufte sein Unternehmen. Da wurde er Bauer. Jetzt ist er mit seinem Biohof auf Erfolgskurs.

Am Morgen nimmt sich die Sonne Zeit, bis sie zum Haldihof vorgedrungen ist. Schattseitig lehnt er sich an den steilen Grasabhang, der eine wundervolle Sicht freigibt über die Halbinsel von Weggis und Hertenstein und über das Küssnachter Seebecken des Vierwaldstättersees bis zum Pilatus. Mit der Sonne kommen die ersten Gäste vorbei: Wanderer, die sich nach einem lauschigen Waldspaziergang entlang des Seeufers auf den lieblich hergerichteten Plattformen zu einem Kaffee mit hausgemachtem Kuchen niederlassen oder sich im alten, putzig zurechtgemachten Obstkeller ein Glas Most genehmigen. Kunden, die zielstrebig dem kleinen Selbstbedienungsladen zusteuern. Dort decken sie sich mit Bio-Obst ein oder kaufen als Geschenk eine edle Flasche Rotweinbalsamico oder Pommes mousseux demi-sec. Familien bestaunen die Lamas und Alpakas.
«Sie sind pflegeleicht, finden sich in den steilen Böschungen gut zurecht und hinterlassen keine Trampelpfade », sagt Bruno Muff, ein drahtiger Mann mit schnellen Beinen und einem unruhigen Flackern in den Augen.

Als Google anklopfte.
Innert fünf Jahren hat der 47-Jährige zusammen mit seiner Frau Rebecca diese Oase praktisch aus dem Nichts aufgebaut. Das ist erstaunlich. Denn Bruno Muff ist eigentlich studierter Landschaftsplaner. Und als solcher hat er in einem ganz anderen Gebiet Bedeutendes geleistet. Mit zwanzig Jahren begann er zusammen mit seinem Bruder, einem Raumplaner, geografische Informationen zu digitalisieren. Bald schon zählte seine Firma sechzig hoch qualifizierte Mitarbeitende. Sie erfassten als Erste 200 Stadtpläne auf CD-Rom, und mit ihnen erfanden sie das Geomarketing. So optimierte sein Unternehmen zum Beispiel mit Verkehrsflussstudien die Verteilstandorte für eine Zeitung – mit durchschlagendem Erfolg. Vor allem aber entwickelten seine Leute Programme, um Luftbilder rechn
erisch zu entzerren und programmierten die ersten geografischen Suchsysteme im Internet. Prompt klopften im Jahr 2005 die Chefs von Google bei Bruno Muff an. Sie brauchten das Know-how seiner Firma, um ihre Online-Dienstleistungen Google Map und Google Earth weiterzuentwickeln, und boten ihm den Kauf der Internetsparte seiner Firma an.

«Für mich war klar: Wenn nicht mit uns, wird Google mit andern Partnern ein Angebot zur geografischen Suche im Internet entwickeln und damit unseren Markt konkurrenzieren », sagt Bruno Muff. Also verkauften die Gebrüder Muff, und ihre Firma wurde aufgespaltet. Eine neue Mission. Seither entwickelt sein Bruder mit Mappuls unter anderem 3D-Landkarten für den Tourismus.

Bruno Muff hingegen machte sich auf die Suche nach einer neuen Mission – und kaufte 2005 den Haldihof. «Ich spürte sofort: Dieser Ort hat Potenzial.» Und Bruno Muff hatte eine neue Vision. Schon als Jugendlicher war er im Naturschutz engagiert, handelte als junger Landschaftsplaner Naturschutzverträge mit Bauern aus und koordinierte für Pro Natura die Nutzungsansprüche des Baldeggersees. Dazu machten er und seine Frau Rebeca auch eine landwirtschaftliche Nebenerwerbsausbildung – «um die Sprache der Bauern zu lernen».
Seine Herausforderung jetzt: Aus einem kleinen Biohof ein erfolgreiches Unternehmen zu machen, entgegen der Schulmeinung, dass das in dieser Grösse gar nicht möglich sei. Sein Erfolgsrezept: Professionalität, Exklusivität, gutes Design und super Qualität.

«Vor allem aber erzählen wir mit unseren Produkten eine ehrliche und authentische Geschichte», sagt Bruno Muff. Es ist die Geschichte einer kompromisslos ökologischen Ausrichtung des gesamten Betriebs. Mittlerweile 400 Hochstamm-Obstbäume und naturbelassene Wald flächen haben seltene Vogelarten wie den Gartenrotschwanz angezogen. Seltene Obstsorten wie die vogelbeerverwandten Elsbeere und der Speierling werden ebenso kultiviert wie Kornelkirschen oder die Mispel. Sie gerinnt unter den Händen von Bruno Muff und seinen Helfern zu einem seiner begehrten Haldihof-Schnäpse. Kaffeeseife mit Biolabel. Eines ist für Bruno Muff klar: «Wir haben nur eine Chance, wenn wir vom Anbau über die Veredelung bis zur Vermarktung alles selber machen. » Sogar gewisse Etiketten werden selber gedruckt – mit Bleilettern auf einer uralten Druckerpresse.

Klar ist aber auch, dass dies mit Obst allein nicht gelingt. Deshalb haben er und seine Frau Rebecca zusätzlich eine Biokosmetiklinie entwickelt – zertifiziert nach strengen Kriterien, «nach dem einzigen Label, das hundert Prozent bio vom Anbau bis zur Produktion verlangt», so Muff. Das ätherische Minzenöl wird mit einem aufwändigen Wasserdampf- Destillationsverfahren hergestellt – fünfzig Kilo Minze und ein Tag Arbeit ergeben zwei kleine Fläschchen davon. Die Rigiseifen gibt es in über einem Dutzend Duftvarianten, darunter Apfel, Kaffee (geröstet mit Peelingeffekt) und – als absolute Neuheit in Zusammenarbeit mit einem Rigi-Älpler – Molkeseifen. Badekugeln, Hautbalsame und Raumsprays runden das Sortiment ab. Verkauft wird fast alles direkt ab Hof, auf Märkten und über die lokale Vermarktungsorganisation Naturigi. Kein Wunder, dass das Treiben von Bruno Muff von den Bauernkollegen interessiert beobachtet wird. Natürlich – den baulichen Investitionen sieht man den Google-Verkauf schon an. «Aber auch rein aus der Produktion heraus werden wir nächstes Jahr den Break-even erreichen», sagt Bruno Muff. Erstaunlich, auch wenn Muff erklärt: «Alle Geräte, die wir brauchen, sind zusammen billiger als ein einziger Traktor.» Mit den schwarzen Zahlen wird er eine weitere Vision umgesetzt haben – die Vision, dass es möglich ist, in der Landwirtschaft kompromisslose Ökologie und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut zu bringen. Auch heute noch.

Kommentare

Jiri Moudry, 10.05.2013 14:59:31

Guten Tag, auf TV Aeschbacher haben Sie eine Mischung zwischen Apfel und Birne erwaehnt - Misbl - oder so was. Ich moechte das beim mir im Garten ausprobieren. Ich lebe in Tschechischen Republik auf 300 m/ü.M. Bitte um einige Einzelheiten über diesen Baum.
Vielen Dank
mhG
J. Moudry

Kurt Gasser, 10.05.2013 10:29:23

Vor; in; nach diesem interessanten Bericht fehlt die Adresse vom Biohof Bruno Muff.