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05.09.2012, Text: David Coulin, Bilder: Marcus Gyger

Lustwandeln im Tösstal

Sie nehmen das, was da ist. Und machen etwas daraus. Die Crew im Gyrenbad mit Küchenchef Dirk Trademann veredelt regionale Produkte mit Leidenschaft und Bodenständigkeit.

Hier gehts zum exklusiven Gyrenbad-Rezept

Sie gehören zum Tösstal wie die bewaldete Hügellandschaft: Die Fensterfronten der niedrigen Flarzhäuser. Sie sorgten im 19. Jahrhundert dafür, dass genügend Licht in die dunkel getäferten Stuben einfiel, wenn dort Frauen und oft auch Kinder an Spinnrädern oder Webstühlen sassen, während die Männer zu den Kühen schauten oder im Wald holzten.
Auch beim Hauptgebäude des Gasthofs Gyrenbad ist das nicht anders. Nur standen da drinnen nie Webstühle, sondern es tafelten an reich gedeckten Tischen die gutbetuchten Damen und Herren aus den Städten. Sie kamen, um sich im Nebentrakt in einen der Holzzuber zu setzen und heilversprechendes Tösstalerwasser über sich ergiessen zu lassen. Sie kamen aber auch, um den Blick über das Tösstal hinaus bis zu den Berner Alpen schweifen zu lassen oder im Landschaftsgarten zwischen einem Mammutbaum, stramm geschnittenen Buchshecken und geschlitztblättrigen Platanen zu wandeln.

Mostbröckli vom Bauernhof
Die Bädergeschichte – sie ist Vergangenheit. Doch noch immer atmet der Gasthof Gyrenbad diesen Mix aus Noblesse und Bodenständigkeit. Noch immer stehen die bordeauxroten Sofas im herrschaftlichen Damensalon, die Täfer in der Gaststube sind lindengrün eingefärbt, und jeder einzelne Fensterrahmen wurde nach allen Regeln der Denkmalpflege an die leicht verzogenen Winkel angepasst. Die Modernität ist dezent, aber wirkungsvoll eingebracht – zum Beispiel in Form des Stahlbodens, der über die alten Tonplatten des Feuerkellers gelegt ist.
Dort, im einstigen Badesaal, in der Gaststube oder auf der lauschigen Veranda wird genau diese Verbindung von leichter Moderne, Währschaftigkeit und diskretem Stil auch gastronomisch gelebt. Für die Ausflügler und Wanderer gibt es schon mal einen Tagesteller unter 20 Franken, und der hausgemachte Eistee lässt keine Kehle trocken. Es lohnt sich aber, nach der Tageskarte zu fragen. Dann entfaltet sich die ganze Gyrenbadkultur auf dem Teller. Schrimps und Hummer sucht man hier vergeblich. Dafür findet man die Rieslingsuppe mit Gyrenbader Mostbröcklistreifen und Kerbelschaum. «Noch meine Grosseltern haben die Mostbröckli im Haus selber geräuchert», sagt Monika Kunz, die zusammen mit ihrer Schwester Lore den Gasthof in dritter Generation führt. Heute übernimmt das die Familie Fuster auf dem Bauernhof nebenan in ihrer grossen Räucherei.

Viel Feingefühl
Seine ganze Zauberkraft bringt der Küchenchef Dirk Trademann in den zarten, in regionalem Amberbier eingelegten Rindsschmorbraten (natürlich wieder vom Nachbarhof) ein, begleitet von einem Bierjus, einer sämigen Rheintaler Ribelmaispolenta und glasierten Kräuterkohlrabi. Lieblich-herb der Geschmack des zarten Fleisches, die regionalen Beilagen leicht und edel dazudrapiert.
Dirk Trademann bringt das Konzept des Hauses mit viel Feingefühl auf den Teller. «Wir nehmen das, was da ist, und machen etwas daraus», sagt Monika Kunz. Früher war es das Wasser, heute sind es die Erzeugnisse der Region. Dafür stehen auch die lauwarmen Rotweinzwetschgen mit der zart schmelzenden Baumnussglacé, die die Mariage zwischen Kultur und Gastronomie im Gyrenbad zur Vollendung bringen.

www.gyrenbad.ch
www.rauchspezialitäten.ch


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Nischenreiches Turbenthal

Im Tösstal stehen noch Zeugen der textilindustriellen Vergangenheit: Flarzhäuser, Kosthäuser, Fabrikantenhäuser, Fabriken mit himmelgreifenden Backsteinschloten. Wie hart das Leben damals war, zeigt das zum Heimatmuseum umfunktionierte Freddihaus bei Bauma. Wie schwierig das wirtschaftliche Leben heute noch ist, zeigen die leerstehenden Kleinfabriken. Von den 300 Spinnereibetrieben in der Hochblüte ist im Tösstal nur noch eine übrig geblieben. Gewoben wird im Tösstal kaum mehr. Überlebt haben nur die grossen Familienunternehmen wie Boller-Winkler in Turbenthal. Nicht nur der Fabrikladen ist ein Augenschein wert, sondern das ganze Fabrikgebäude. Dort hat sich Klein- und Nischengewerbe eingenistet, es gibt Lofts, auch eine Mehrzweck- und Kulturhalle. Über den Gasthof Gyrenbad (siehe Haupttext) können kulturhistorische Rundgänge gebucht werden, ebenso bei der Kulturdetektive GmbH.

Tourismus Region Zürcher Oberland
www.kulturdetektive.ch
Buchungen Freddihaus: Telefon 052 397 10 25


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ecoLife-Outdoor-Tipp:
Nordic walking auf den Schauenberg


Das Tösstal ist geologisch gesehen nichts anderes als eine gigantische prähistorische Schwemmebene, die sich beim letzten Schub der Alpenfaltung noch etwas gehoben hat. Seither haben die Töss und ihre Zuflüsse das marode Nagelfuh-Schuttgestein zu einem Labyrinth aus stark bewaldeten Hügeln und Tälchen zerschnitten – ideales Bikegelände. Nur: Wer wandert, hat mehr Muse fürs Detail. Sieht die Raubvögel kreisen oder bestaunt zwischen dem Gasthof Gyrenbad und dem Schauenberg die Vielfalt der Baumarten im Mischwald. Auf gut beschilderten Nordic Walking-Pfaden gehts durch den kühlen Wald bis man vor der Kuppe des Schauenberges steht. Bei gutem Wetter bietet sie einen Rundblick weit über die Region hinaus.

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