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20.06.2012, Text: Urs Oskar Keller, Foto: Tom Baumann

Aktie von der Weide

  • (Tom Baumann)
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Schon mit seiner Kuh-Aktie hatte Guido Leutenegger für landesweites Aufsehen gesorgt. Jetzt bietet der innovative Unternehmer aus Kreuzlingen am Bodensee das erste Wollschwein-Investment der Schweiz an. Die Dividende schmeckt lecker: Sie besteht aus naturnah produziertem Fleisch.

Der umtriebige Thurgauer Unternehmer und Naturschützer Guido Leutenegger aus Kreuzlingen (TG) besitzt Hochlandrinder und Wollschweine. Mit letzteren hat er soeben eine für die Schweiz neue Investment-Möglichkeit geschaffen. Wer 500 Franken in eine Muttersau investiert, erhält als Dividende drei Jahre lang jeweils im November ein mindestens fünf Kilo schweres Paket geliefert. Inhalt: sechs Bratwürste, zwei Salsiz, 200 Gramm Coppa, 800 Gramm Braten, 500 Gramm Voressen, 300 Gramm Hackfleisch, sechs Plätzli (Schnitzel), sechs Steaks und vier Kotletten. Wer diese Aktie kauft, hat also auf jeden Fall Schwein gehabt – ganz egal, welche Kapriolen die Konjunktur schlägt.
Ebenfalls ein guter Grund für ein saumässiges Investment: Für alle Wollschwein-Aktionäre gibt es eine entsprechende Urkunde mit dem Bild «ihrer» Muttersau. Das ermöglicht eine fast schon persönliche Beziehung zu den Tieren. «Amalie, Esmeralda und Isolde freuen sich auf Investoren», schreibt Leutenegger denn auch charmant an seine Kundinnen und Kunden. Natürlich dürfe man die Sau auch gerne besuchen: «Insbesondere wenn Wollschweine Junge haben, ist dies ein eindrückliches Erlebnis», erzählt der 54-jährige Züchter.

Naturnah und gesund
Wohin dieser Besuch führt, wäre dann aber noch genauer abzuklären. Denn Leutenegger ist mit seinem Unternehmen Natur Konkret gleich auf sieben Tessiner Alpen, im Maggiatal und im thurgauischen Ermatingen engagiert. Vor etwas mehr als 20 Jahren hat er den Betrieb gegründet. Er setzt vor allem auf Schottische Hochlandrinder, mit denen er schmackhaftes, naturnahes und gesundes Fleisch produziert.
Mit den Rindern hat Leutenegger vor einigen Jahren denn auch seine innovative Vermarktungsidee lanciert: die Kuh-Aktie. Hier können Interessierte bis heute 2500 Franken investieren und damit Teil des expandierenden Landwirtschaftsbetriebes werden. Der Profit? Zehn Jahre lang liefert Natur Konkret jährlich Qualitätsfleisch im Wert von 350 Franken. Rechne!

Der Coup von 1983
Das Label Natur Konkret ist also schon seit Jahren auf dem Markt präsent und zum Inbegriff von Ursprungsqualität sowie besonderer Sorgfalt bei der Verarbeitung und beim Vertrieb geworden. «Es ist das tier- und naturfreundlichste Label der Schweiz», sagt Leutenegger selbstbewusst. Dies sei mehr als nur eine Marketingaussage. Das Fleisch komme «ohne Umwege aus den Bergen und der Natur auf den Tisch», wirbt er. «Von der Aufzucht über die Schlachtung bis zur Verpackung kümmern wir uns um jeden einzelnen Schritt selber.»
Gleichzeitig kommt Natur Konkret – nomen est omen – der Natur zu Hilfe. Seit 1997 fressen sich die heute rund 550 Hochlandrinder über Weideflächen vom Centovalli bis zum Val Colla. Ohne diese Bewirtschaftng würden diese Flächen verbuschen und verwalden, wodurch diverse Tierarten ihren Lebensraum verlören.
Da stellt sich die Frage, woher Leutenegger seine Naturverbundenheit hat? Als er 1958 in Kreuzlingen geboren wurde, deutete nichts darauf hin, dass er einst zu einem Umweltschützer werden würde. Seine Eltern führten ein Bekleidungsgeschäft für Herren. Doch schon in der Primarschule in Kreuzlingen wurde sein Interesse für Flora und Fauna grösser. Und während seiner Lehrerausbildung wuchs sein Umweltbewusstsein und -engagement stetig. Leutenegger wurde zum Anwalt von Libellen und Fröschen, Rohrsängern und Orchideen. 1980 wurde er für zehn Jahre Präsident und Geschäftsführer beim Thurgauer Naturschutz (heute Pro Natura). Und sorgte in seinem dritten Amtsjahr für einen wahren Coup: Er kaufte bei Pro Specie Rare ein paar Wollschweine und setzte sie auf einer aufgeschütteten Hafeninsel in Kreuzlingen aus. Die Schweine wurden innert kürzester Zeit zu Berühmtheiten in der Schweiz.

Arbeiterschweine
Denn was mit einem ursprünglich vegetationsfreien, künstlich aufgeschütteten 10‘000 Quadratmeter grossen Eiland im Bodensee, vorgelagert beim Kursschiffhafen von Kreuzlingen, begonnen hatte, entwickelte sich rasch zur Publikumsattraktion. Im Sommer war die Insel ein Rast- und Brutplatz für Wasservögel, im Winter tummelten sich auf dem künstlichen Eiland nun die Wollschweine. «Naturschutzorganisationen aus der ganzen Schweiz interessierten sich für das von mir begonnene Pflege- und Nutzungsprojekt im Kreuzlinger Hafen», erzählt Guido Leutenegger. Schliesslich war Kreuzlingen mit seiner publikumswirksamen Schweineinsel nicht nur zu einem Medienereignis, sondern auch zum nationalen Vorreiter geworden.
Der Grund: Statt die üppig spriessenden Stauden, Büsche und das Schilf von Menschenhand zu entfernen, liessen die Naturfreunde diese «Arbeit» durch die winterfesten, bis 200 Kilogramm schweren und 75 Zentimeter grossen Wollschweine erledigen. Die langhaarige Schweinerasse bewährte sich nicht nur als «Abräum-Equipe», sondern lockte auch viel Publikum an.

Artgerechte Tierhaltung
Die «Wollschwein-Insel» war so etwas wie der unbewusste Startschuss zu Leuteneggers Laufbahn als naturnaher Unternehmer. Heute ist er erfolgreich im Geschäft mit seinem besonderen Rind- und Schweinefleisch unterwegs. Gerade bei den Wollschweinen wird klar: Leuteneggers Haltungsform unterscheidet sich deutlich von der industriellen Massentierhaltung. Ganzjährig im Freien, eine Hütte mit ausreichend Stroh, Suhl-Möglichkeiten und eine Haltung in kleinen Gruppen kommt den «Schweine-Bedürfnissen» entgegen.
Schweine im Freien sind für viele Konsumentinnen und Konsumenten der Inbegriff einer artgerechten Tierhaltung. Gerade für die biologische Schweinehaltung kann das für einige Betriebe eine interessante Alternative sein. Die Investitionskosten in der Freilandhaltung sind gering. «Ein Sauenplatz im Freiland verursacht nur etwa ein Fünftel der Kosten eines Stallplatzes. Englische Studien berichten von 50 Prozent niedrigeren Tierarztkosten als bei der Stallhaltung, da die Tiere gesünder seien. Jedoch muss man sich im Klaren sein, was es heisst, seine Tiere ganzjährig im Freien zu halten. Die Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen, die Umzäunung und natürlich auch die Tiere müssen jeden Tag, bei jedem Wetter kontrolliert werden. Um einen konzentrierten Nährstoffeintrag zu vermeiden, müssen die Hütten und Futterplätze regelmässig verschoben werden», weiss Barbara Früh von bioaktuell.ch, einer Plattform der Schweizer Biobäuerinnen und Biobauern.

Schulkinder sammeln Kastanien
Gefüttert werden Leuteneggers Schweie mit Biofutter, Bioschotte von einem Ziegenkäse-Produzenten und Kastanien. «Ich möchte meinen Wollschweinen auch gerne Edelkastanien verfüttern, die es im Tessin ja tonnenweise gibt – und viele leider verfaulen. Den Schulkindern im Maggiatal bezahlte ich erstmals zwei Franken pro Kilogramm gesammelter Kastanien. Dieses Projekt lief im Herbst 2011 an und ist verheissungsvoll. Kastanien geben dem Fleisch einen besonderen Geschmack», sagt der Natur Konkret-Besitzer.
Guido Leutenegger plant künftig im Tessin mehrere Kastanienselven zu pachten. Als «Selve» wird eine Hochstammobstanlage aus veredelten Kastanien bezeichnet. Über Jahrhunderte waren die Kastanienselven für die Ernährung der Bevölkerung sehr wichtig. Mit dem Ende der traditionellen Landwirtschaft verloren die Selven an Bedeutung und verwaldeten. Der Boden in der Anlage wird doppelt genutzt. Unten weidet oder mäht man, oben wachsen die Früchte. Voraussetzung für diese doppelte Nutzung ist der lichte Baumbestand und eine Pflege. «Damit», so Leutenegger, «können wir einerseits durch die Pflege und Nutzung der Bäume einen Beitrag zur Erhaltung einer alten Kulturlandschaft leisten, andererseits das Futter für unsere Schweine selber produzieren». Und so kann Leutenegger auch gleich einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten.
Natürlich denkt der ideenreiche Tierhalter auch hier schon einen Schritt weiter: «Unser Ziel ist es, mit etwa 25 Mutterschweinen Kastanien-Wollschweinfleisch von auserlesenem Geschmack zu produzieren», . Eine perfekte Ergänzung zu den Hochlandrindern.

www.natur-konkret.ch
www.wollschwein.ch


***

Hartnäckiger Allrounder

Guido Leutenegger wurde 1958 in Kreuzlingen (TG) gebor en. Er absolvierte eine Ausbildung zum Lehrer.. Von 1980 bis 1990 war er Präsident und Geschäftsführer des Thurgauer Naturschutzbundes (heute Pro Natura). 1990 machte er sich mit Natur Konkret als Einzelunternehmer selbständig. Leutenegger machte auch politisch Karriere. Fast mühelos schaffte es der sympathische und hartnäckige Allrounder in den Kantonsrat (1992-1997) und in den Stadtrat von Kreuzlingen (1999-2003), wo er das Ressort Hochbau und Umwelt betreute. Der Thurgauer und Wahl-Tessiner lebt mit seiner Frau und ihren drei gemeinsamen Kindern mehrheitlich im Tessiner Dorf Avegno im Maggiatal.

Kommentare

ecoLife, 16.03.2015 13:20:36

Sehr geehrter Herr Landolt
da müssten Sie sich direkt an Herr Leutenegger wenden, da Sie hier auf der Plattform von ecoLife sind. http://natur-konkret.ch/kontakt/
Freundlicher Gruss
Ihr ecoLife Team

Hermann Landolt, 16.03.2015 12:58:35

Sehr geehrter Herr Leutenegger
Vor gut zwei Jahren habe ich eine Aktie vom Wollschwein 'Berta' erhalten. Wo kann man dieses Schwein besuchen, sofern es noch lebt?
Mit freundlichen Grüssen
Hermann Landolt