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24.01.2013, Text Reto Wüthrich, Foto Geri Krischker

Perlen des Alpenraums

3 Hotels. 3 Konzepte. 3 Augenweiden. Und 3 x mit viel Sorgfalt für die Umwelt. «ecoLife» stellt drei Schweizer Berghotels vor. Eines schöner und cleverer als das andere.

«Für uns war klar, dass Sporz in seiner Natürlichkeit erhalten werden muss – oder besser: dahin zurückgeführt werden muss», sagt Cornelia Gantner über den Weiler bei Lenzerheide (GR), 1600 Meter über Meer gelegen, mitten in eine wildromantische Berglandschaft eingebettet. Dort steht heute das Maiensässhotel Guarda Val, das aus elf bis zu 300 Jahre alten Hütten und Ställen besteht. Cornelia Gantner ist die Hoteldirektorin. Die Frau, die vor etwas mehr als zwei Jahren den aufwändigen Umbau geprägt, ko or di niert, nach ihren Vorstellungen durch gepaukt hat, gesteht: «Eigentlich war ich damals eine glück liche fünffache Vollzeitmutter und komme auch überhaupt nicht vom Fach.»

Eine Träne im Auge
Das ist an und für sich schon eine verrückte Geschichte. Aber es kommt noch dicker. Cornelia Gantner und ihr Mann Alfred haben ursprünglich gar kein Hotel besitzen wollen. Sie waren bloss auf der Suche nach einem Ferienhaus für die 25-köpfige Familienbande. Als sie bei einem Mittagessen im Guarda Val vom damaligen Besitzer zufällig erfuhren, dass dieser einem Verkauf nicht abgeneigt sei, liessen Gantners spontan den Vertrag aufsetzen. Das ist ein bisschen besser zu verstehen, wenn man weiss, dass Alfred Gantner der Gründer und Chef der Partners Group ist, einem globalen Manager von Privatmarktanlagen mit einem verwalteten Vermögen von über 20 Milliarden Euro.
Da stand sie dann also in diesem Weiler Sporz. Cornelia Gantner sah Häuser, die Emotionen weckten, Geborgenheit und Ruhe ausstrahlten, die irgendetwas an sich hatten, das sie auch nicht so recht in Worte fassen kann, das sie aber einfach gepackt hatte. Sie sah aber auch, dass sich dieses Erlebnis im Innern nicht fortsetzte. Heute ist das anders. Aus dem Guarda Val ist ein faszinierender Berghotelbetrieb geworden. Von aussen sieht es aus wie schon immer. Aber in den Hirtenund Sennen zimmern, Maien säss- und Bauernstuben verbinden sich nun Büdner Alptradition mit einer modernen, rustikalen, dennoch chicen Auffassung von alpinem Design und Lebensstil. Es ist Einfachheit auf höchstem Niveau. Der Luxus besteht darin, dass es keinen gibt. Aber wer im holzgeheizten Hotpot unter dem Sternenhimmel gebadet, sich im Heu bett im SpaBereich ent spannt oder im mit 16 Gault-Millau-Punkten und einem Michelin-Stern dekorierten Gourmetlokal diniert hat, versteht, wenn Cornelia Gantner sagt: «Mein grösster Wunsch ist es, dass unsere Gäste mit einer Träne im Auge abreisen, weil sie sich bei uns so wohl gefühlt haben.»

Traum verwirklicht
So könnte es auch den Gästen im Hotel La Val ergehen. Auf einer aussichtsreichen Terrasse auf 1300 Metern über Meer ist zu sehen, was herauskommt, wenn ein HotelierEhepaar mit zwei Kindern alle Zweifel beiseiteschiebt und im Herzen der Surselva seinen Traum verwirklichen darf. Ein privater Investor hat Chris und Susan Faber mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet, aber auch mit dem Freiraum, ihre Ideen eines alpinen Hotels hier oben in Brigels (GR) umzusetzen. Und diese Ideen haben es in sich.
Es ist ein Glück, sahen Fabers im La Val einen Ort, der Berglerauthentizität ausstrahlen muss. Verbaut wurden Valser Quarzit und sonnenverbranntes Holz aus alten Maiensässen, es gibt echtes Leder statt Kunstleder, und farblich ist alles in warmem Braun und zartem Grau gehalten. Da und dort hängt ein Hirschge weih, Kerzen flackern, das Cheminéefeuer knistert, auf dem Weg in das ebenso im ChaletStil gehaltende Spa schreitet der Gast an einem alten Davoser Schlitten und antiken Holz skiern vorbei. Und, nebenbei erwähnt, das Restaurant Ustria Miracla hat nicht einmal ein Jahr nach der Eröffnung bereits 14 Gault-Millau-Punkte eingesackt.
Was auf die Teller kommt, stammt aus der Region. Das Brot liefert derDorfbeck, das Fleisch der Dorfmetzger. Das gehört zum Hotelkonzept. Selbst das Massageöl im Spa hat eine Frau aus dem Nachbardorf aus eigenen Bergkräutern hergestellt. «Warum sollen wir etwas von weit weg holen, das es in allerbester Qualität vor der Haustür gibt?», meint Chris Faber dazu. Zumal der Gast auch in einem modern gestylten Berghotel genau dies erwartet: lokale Produkte, natürliche Materialien, ein sorgfältiger Umgang mit den Ressourcen.

Chice Bodenständigkeit
Exakt diese drei Punkte erfüllt auch das Berghotel Wanna in St. Antönien (GR). Und zwar so konsequent wie kaum ein anderer Hotelbetrieb im hiesigen Alpenraum. Carolyn und Baptist Sieber haben das 300-jährige Bauernhaus vollständig umgebaut und dies mit so viel Fingerspitzengefühl getan, dass die Verbindung von modernem Design und Naturverbundenheit wunderbar aufgeht. Grandios ist es zum Beispiel, sich in der Cheminée-Lounge auf einem gemütlichen Sessel zu fläzen und dabei wahlweise hinaus in die Berglandschaft zu blicken oder durchs grosse Fenster hinüber in den Schafstall.
Manchmal verschleppt Hund Bruno die Schuhe der Gäste. Aber das ist okay. Hier oben ist es zu entspannt, als dass sich jemand darüber ärgern könnte. Gäste werden wie Freunde behandelt. Unkompliziert ist auch die Küche: Jeden Abend wird allen dasselbe 3-Gang-Menü serviert.
Alles aus lokalen, frischen, echten Bündner Produkten, die Siebers von drei, vier Bauern aus der Region beziehen. Die Energie liefert eine Erdwärmesonde oder der Pelletofen. Ökologische Nach haltigkeit sei bei ihnen nicht ein ausgetüfteltes Konzept, sagt Baptist Sieber. Sondern selbstverständlich. Die Bodenständigkeit ist nicht inszeniert. Sie ist einfach. Gerade deshalb ist es so schön hier. Drinnen wie draussen.

www.guardaval.ch, www.laval.ch, www.wanna.ch

Kommentare

Patrizia Tharin, 31.01.2012 12:01:37

ein wunderbarer bericht - diese 3 hotels sind mir sehr sympathisch - es sollte mehr davon in der schweiz geben