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08.09.2011, Aufgezeichnet von Daniela Schwegler

Ueli Steck: «Ein Wunder, dass ich überlebt habe»

Ueli Steck ist einer der weltbesten Solokletterer. Im Frühling durchkletterte er im Himalaya die Südwestwand des Shisha Pangma (8027m) in Rekordzeit und bestieg den Cho Oyu (8201m). 2009 war er auf dem Makalu (8201m) und dem Gasherbrum II (8034m). Was bedeutet ihm die Natur?

«Mir war klar, dass ich keine Zehe auf dem Mount Everest zurück lasse. Als ich merkte, dass meine Füsse eiskalt waren und abzufrieren drohten, entschied ich mich wenige hundert Meter vor dem Gipfel umzukehren. Noch vor zehn Jahren wäre ich wahrscheinlich bis zum Gipfel gegangen. Aber man wird reifer. Auch der höchste Berg der Welt ist es nicht wert, seine Zehen zu verlieren. Darum war der Entscheid richtig. Die Himalya-Expedition war auch ohne Gipfelerfolg am Everest eine super Erfahrung. Ich hatte viel Freude, da ich die Wände des Shisa Pangma durchstieg, was mein eigentliches Ziel war für die Expedition. Und später noch auf dem Cho Oyu stand.

Zudem: Der Everest bleibt, und ich komme wieder. Irgendwann werde ich oben stehen. Irgendwann pack ich es. Und zwar aus eigener Kraft – ohne Sauerstoff. Seit Reinhold Messmer haben das erst 100 Alpinisten geschafft. Die anderen rund 5000 Everest-Touristen nahmen Sauerstoff zu Hilfe. Das ist für mich ‚Bschiss’. Nur wer es aus eigener Kraft schafft, war wirklich oben.

Klar ist das Risiko an einem Achttausender ohne Sauerstoff grösser. Das Risiko am Berg ist immer grösser, als wenn ich zuhause auf dem Sofa sitze. Aber so, wie ich das Bergsteigen betreibe, als Profibergsteiger, bin ich absolut top vorbereitet. Anders hätte ich die 2000 Meter hohe Südwestwand des Shisa Pangma (8027m) diesen Frühling gar nicht in 10,5 Stunden durchsteigen können. Ich hab auch lange darauf hin trainiert. Ich wollte einfach meinen damaligen Speedrekord von der Eigernordwand auf den Himalaya übertragen. Dass ich das erreicht habe, freut mich sehr

Mir wurde aber auch bewusst: Die Leute erwarten immer mehr von mir. Am Shisa Pangma habe ich noch einmal mehr erreicht. Aber höher und schneller geht für mich nicht mehr. Ich habe meinen persönlichen Zenit erreicht aus sportlicher Sicht. Viel mehr liegt nicht mehr drin in meiner Karriere als Bergsteiger.

Dani Arnold hat ja kürzlich meine Bestzeit am Eiger unterboten. Ich brauchte dafür 2 Stunden 47, er schaffte es in 2 Stunden 28. Aber eins zu eins vergleichen lässt sich unsere Leistung nicht. Ich durchstieg die Route im Winter, es gab keine Spur, ich kletterte alles frei. Aber klar, am Schluss zählt die absolute Zeit. Und ich gratuliere ihm zur Bestzeit.

Ich selber kann es auch gemütlicher nehmen am Berg und mit meiner Frau auf Genusstour gehen. Da geht es nicht um Speed, sondern um das Zusammensein. Aber selbst auf Genusstouren ist schnell etwas passiert. Als meine Frau vor einem Jahr vor meinen Augen 30 Meter abstürzte, waren das Schrecksekunden. Ich konnte nur hilflos zusehen. Dass sie es überlebt hat, war ein Riesenglück. In der Regel überlebt man so was nicht.

Auch mein Schutzengel stand schon öfters im Einsatz. Zum letzten Mal 2007, als mich im Himalaya am Annapurna ein Stein am Kopf traf und bewusstlos schlug. Ich stürzte 300 Meter in die Tiefe. In meiner Erinnerung ist nur noch ein schwarzes Loch. Dass ich das überlebt habe, ist ein Wunder. Durch den Unfall wurde mir klar, wie schnell es vorbei sein kann, und wie vergänglich das Leben ist. Überhaupt, der Annapurna ist ein Schicksalsberg. Jeder zweite Durchstiegsversuch endet tödlich. Ich musste 2008 den spanischen Bergsteiger Iñaki dort beim Sterben zusehen und seine Leiche später in einer Gletscherspalte versenken. Ich hab ein komisches Gefühl, wenn ich nur schon an den Berg denke. Da muss ich nicht mehr hin.

Denn die Option, am Berg zu sterben, ist für mich keine. Deshalb trainiere ich so perfektionistisch. Ich will absolut top vorbereitet sein. Je fitter ich bin, desto mehr Reserven habe ich. Doch im Moment gönne ich meinem Körper ein bisschen Erholung. Den Jungfrau-Marathon laufe ich aus purer Freude.»

www.uelisteck.ch

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