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18.06.2013, Petra Koci

Geocoaching hoch im Kurs

(Petra Koci)
Auf Schatzsuche mit dem GPS-Gerät an der frischen Luft: Reich wird man beim Geocaching nicht. Aber immerhin reich an spannenden Erlebnissen und Entdeckungen.

Die modernen Schatzsucher heissen «sixrows», «mike245», «tiefschürfer» oder «geogümper». Die Schätze von heute sind meist kleine Tupperware-Boxen oder Filmrollenbehälter und lagern in Baumstümpfen, auf Klettersteigen, in Steinhaufen, unter Eisenbahnbrücken und an vielen weiteren ausgefallenen Orten.
Über 1,372 Millionen so genannter «Caches» sind weltweit versteckt. In den Behältern finden sich nebst einem Logbuch meist nur kleine Dinge ohne besonderen Wert. Denn in erster Linie geht es beim Geocaching um Spannung und Abenteuer und darum, Landschaften und Orte zu entdecken, die man auf einem Ausflug wohl eher links liegen gelassen hätte.

Elektronische Schnitzeljagd
So zum Beispiel das wildere Ufer des Flüsschens Sihl im Kanton Zürich. Die Koordinaten «N 47° 12.865 E 008° 34.836» führen die «swiss_geckos» an den Ausgangspunkt der Expedition: Von diesem Parkplatz aus geht es auf Spurensuche nach einer Multi-Cache –einer elektronischen Schnitzeljagd über mehrere Etappen. Eine knifflige Sache, denn erst wenn alle Stationen richtig gelöst sind, gelangt man zum Schatz.
Sind die Koordinaten der Stationen im GPS eingegeben, die Cache-Beschreibung mit den jeweiligen Fragen vom Internet ausgedruckt? Gut, es kann losgehen. Das kleine Gerät lotst das Familienteam über einen Spazierpfad und hinein in den Sihlwald. Unter einer Brücke plätschert ein Bächlein über moosbewachsene Steine. Wir sind am ersten Stopp. Ist hier irgendwo eine Tafel, an der sich eine Zahl ablesen lässt? Tatsächlich. Also Lösung aufschreiben und weiter. Die Kinder nehmen das GPS-Gerät und führen an. Wie weit bis zum nächsten Rätsel? 387 Meter. 118 Meter. 34 Meter, bald muss es kommen. Da, die Verkehrstafel ist nicht zu übersehen.

Muggel in Sicht
Auch die nächste Aufgabe fällt leicht: Die Astlöcher an der Sitzbank am Fluss-Ufer zählen. Noch ist die Schatzsuche ein gemütlicher Spaziergang. Die «swiss_geckos» laufen saftigen Löwengras-Wiesen entlang, beobachten Enten auf einem Inselchen in der Sihl. Schon naht der nächste Stopp, meldet das GPS-Gerät. Zu dumm, dass genau an der verdächtigen Stelle zwei Personen umherstreichen. «Hoffentlich schauen uns diese Muggel nicht zu», lacht der Expeditionsleiter – als Muggel werden im Cacherjargon unbeteiligte Passanten bezeichnet. Endlich trotten sie weiter und wir werden kurz darauf auch hier fündig.
Etwas weiter flussaufwärts führt eine gedeckte alte Holzbrücke über das Wasser. Was meint Meister GPS? Aha, ab sofort gehts weg vom Spazierweg auf einem alten vergandeten Pfad direkt dem Ufer entlang. Dass man dabei dem Bauern nicht durchs Feld trampelt, ist Geocacher-Ehrensache. Wir steigen über Baumstämme, schieben Zweige zur Seite, bis wir vor einem kaum mannshohen Tunnel stehen. Tiefdunkel klafft der ehemalige Säumerstollen, verlangt nach Stirnlampe und solidem Schuhwerk. Also, Kopf runter und durch. Der Matsch im Dunkel klebt wie Kaugummi an den Schuhen, schlumpf schlumpf tönt es bei jedem Schritt. Ob es hier Fledermäuse gibt? Die kühle Höhle erzeugt Hühnerhaut. Gut, ist da auch schon das Licht am Ende des Stollens erkennbar.

Murmel gegen Münze
Nach zwei Stunden sind alle Rätsel gelöst, sie ergeben zusammen neue Koordinaten. Sofort füttern wir das GPS-Gerät und marschieren ein paar hundert Meter weiter. Halt, meldet das Navigatioonsgerät: Null Meter – hier sollte sich irgendwo ein Schatz verstecken. Wir stehen nun wieder auf dem Spazierweg, kein Hinweis, alles unauffällig. «Jetzt müsst ihr zum Indianer werden», mahnt der Teamführer. «Fängt an, Spuren zu lesen: Entdeckt ihr Trampelpfade? Auffällige Steinansammlungen? Löcher in Baumstämmen?» Tatsächlich, nach dem Anheben von Steinen, nach Griffen in Baumhöhlen und behutsamem Tasten an verborgenen Orten ist mit Hilfe aller Expeditionsteilnehmer der Schatz nach einer Weile geborgen: eine Tupperware-Box, gefüllt mit Kinderspielzeug, einem Mini-Kompass, einem Stift, einer Murmel und einem Logbuch. Wir tragen darin Datum und Decknamen ein und legen den Schatz wieder zurück.
Die Ausbeute dieses Nachmittags: Eine Glasmurmel gegen eine exotische Münze ausgetauscht. Und die kostbare Erfahrung gemacht, auf abenteuerliche Weise einen unbekannten Fleck in der Natur entdeckt zu haben.

***
Geocaching – so gehts:
Auf geocaching.com meldet man sich kostenlos als Mitglied mit einem Benutzernamen an. Die Seite listet – z.B. mit Hilfe von Postleitzahl oder Land/Region – alle Caches auf. Deren Koordinaten überträgt man an sein GPS-Gerät oder Smartphone. Geübtere Cacher können auch eigene Caches verstecken und die Koordinaten/Beschreibungen auf die Site stellen.

www.geocaching.com

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